Die Orgel

Wer die Kilianskirche durch den Haupteingang betritt, blickt auf den Chor- und Altarraum mit der Kanzel zur Rechten und dem Taufstein zur Linken. Gekrönt wird die Ostwand des Kirchenschiffs von der Königin der Instrumente.

Die Orgel steht seit 1748 an dieser Stelle. Zuvor hatte sie ihren Platz auf der alten Westempore über dem Haupteingang, dem seit der Barockzeit üblichen Standort für eine Orgel. Die gleiche Anordnung wie in Waldbach findet sich in Bitzfeld. Im benachbarten Unterheimbach gab es einst gar eine so genannte Markgräfler Wand: Altar, Kanzel und Orgel waren in einer Achse übereinander angeordnet. Doch seit dort die Barockorgel Ende des 19. Jahrhunderts verkauft wurde, steht die alte Orgelempore leer. Das neue, romantische Werk befindet sich heute auf der Empore über dem Haupteingang.

Die fünfseitige barocke Schauseite (Prospekt) der Waldbacher Orgel mit ihrem zentralen großen Rundturm, den beiden kleineren seitlichen Spitztürmen und zwei verbindenden Flachfeldern und mit dem reichen, mit Gold verzierten Schnitzwerk stammt von dem Heilbronner Orgelbauer Johann Michael Schmahl (1654 - 1725). Der Stammvater einer der bedeutendsten Orgelbauerfamilien des 18. Jahrhunderts im heutigen Württemberg erbaute das Werk in den Jahren 1712/13. Auch in den evangelischen Kirchen von Langenbeutingen und Michelbach am Wald errichtete Schmahl damals neue Orgeln. Das Waldbacher Werk verfügte über zehn oder elf Register auf einem Manual und Pedal. Veränderungen im Laufe der nachfolgenden Jahrhunderte sind wahrscheinlich.

Registrierangaben in Orgelnoten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts legen die Vermutung nahe, dass die Waldbacher Organisten damals über ein romantisch geprägtes Instrument verfügten.

Die Orgelbaufirma Link aus Giengen an der Brenz baute in zwei Abschnitten in den Jahren 1962 und 1980 ein neues Werk mit 19 Registern auf zwei Manualen und Pedal für die Waldbacher Kirche. Der denkmalgeschützte Orgelprospekt Schmahls wurde erhalten. Der Klang des Instruments verbindet den hellen, silbrigen Ton des Neobarock (etwa in der Sifflöte 1') mit dem streichenden (Gemshorn, Prinzipale, Salicional) und terzhaltigen (Hörnle, Sesquialter) Charakter der süddeutschen Tradition. Anfang 2011 hat die Leonberger Orgelbaufirma Mühleisen die rund 1300 Pfeifen mit Unterstützung von Waldbacher Gemeindemitgliedern ausgereinigt und das Instrument unter Beratung durch den landeskirchlichen Orgelsachverständigen Burkhart Goethe überarbeitet. Teile des Gehäuses wurden um etwa 20 Zentimeter nach vorne gerückt, um in dem stark gedrängten Innenraum etwas Platz zu schaffen. Im Oberwerk wurde das zart streichende Register Quintade 8' durch einen Principal 4' ersetzt, um dem Klang mehr Gravität zu verleihen. Die Leonberger Orgelbauer haben die Mechanik der Traktur überarbeitet, was der Präzision des Spiels dienlich ist. Vor allem aber haben sie das Pfeifenwerk nachintoniert und so manches Register erst richtig zu klanglichem Leben erweckt. Das Instrument ist derzeit ein verlässlicher Begleiter im Gottesdienst und dank seines farbigen Klangaufbaus auch gut für den konzertanten Einsatz geeignet.

Peter Hohl, Öhringen