Waldbacher "Internationales Straßenfest für Demokratie" am 16. September 2017
- Bericht -

Anlass des Festes war eine Wahlkampfveranstaltung der AfD in der Waldbacher Mehrzweckhalle. Ende Juli fanden sich sehr spontan ca. 25 Personen zusammen, um zu beraten, wie man hiermit umgehen sollte, und vor allem, wie man ein Zeichen gegen die unerwünschten v.a. fremdenfeindlichen Inhalte der AfD setzen könnte. Man kam überein, dass die Veranstaltung keine Gegendemonstration sein sollte, sondern eine friedlich-fröhlich-bunte Alternativveranstaltung. Gerade die von der AfD geschürte Aggressivität und der offene Hass im Umgang mit anderen Menschen sollte sich in der Antwort nicht widerspiegeln. In einer funktionierenden Demokratie gibt es andere Mittel für Widerspruch und Gegenwehr.


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So wurde gleich im August ein Logo geschaffen - ebenso schön anzusehen wie symbolisch: eine bunte Weltkugel. Außerdem entstand unter hohem Zeitdruck die "Bretzfelder Erklärung für Demokratie", die mit der Bitte um Unterschriften auch um Unterstützung für die geplante Veranstaltung warb. Mit enormem Zeit- und Energieeinsatz wurden per Email Vereine, Gruppen, politische Parteien, Kirchengemeinden und kritische Bürgerinnen und Bürger angesprochen. Die "Bretzfelder Erklärung" enthält ein Bekenntnis zu den Grundwerten unserer Verfassungsordnung und zur europäischen Menschenrechtskonvention, zu Vielfalt, Toleranz und Demokratie. Bis zum Straßenfest kamen ca. 330 Unterschriften zusammen! s. Liste der namentlichen Unterzeichner auf dieser Homepage

Von den 7 Wochen Vorbereitungszeit lagen 6 Wochen in den Sommerferien. Auch im Organisationsteam musste man sich ablösen, ein Vorbereitungstreffen in der Ferienmitte wurde nötig. Wichtig für das Gelingen waren sowohl Engagierte mit Spezialkenntnissen und -talenten als auch Rentner mit reichem Erfahrungsschatz und etwas mehr verfügbarer Zeit. Gegenseitiger Respekt unter den recht verschiedenen Beteiligten, Freude am Dialog, Kompromissfähigkeit und auch großzügiger Einsatz eigener finanzieller Mittel prägten die Vorbereitungszeit und zeigten im Kleinen, worauf es in unserer Gesellschaft ankommt.

Die letzten Tage vor der Kundgebung mit Straßenfest standen dann im Zeichen von Schwierigkeiten mit dem Ordnungsamt des Landkreises: auf Initiative der Polizei wurde der Versammlungsort deutlich eingegrenzt. Aber einige findige Organisatoren sorgten unermüdlich bis zur letzten Minute dafür, dass am Ende doch die ursprüngliche Idee einer fantasievollen, friedlichen Veranstaltung Wirklichkeit wurde!

Die Besucher von Kundgebung und Straßenfest waren bunt gemischt durch alle Altersklassen - viele Familien waren anwesend, neben einigen politisch, ehrenamtlich oder beruflich Engagierten vor allem "Normalos" - Bürger und Bürgerinnen der Gemeinde Bretzfeld, Mitglieder von Kirchengemeinden und örtlichen Vereinen. Auch etliche ausländische Mitbürger waren als Besucher und Mitwirkende dabei und verliehen dem Fest internationales Flair. Zahlreiche schon lange in Hohenlohe lebende Mitbürger mit Wurzeln in süd- und osteuropäischen Ländern hatten die "Bretzfelder Erklärung" unterzeichnet und beteiligten sich an der Gestaltung des Festes.

Die zum Auftakt der Veranstaltung gehaltenen Reden von Verdi-Vertreterin Katharina Kaupp und von Georg Ottmar bildeten den Rahmen, darauf folgten politisches Kabarett mit Tilman Lucke, eine Bauchtanzvorführung, ein Trommelworkshop mit kleinem Umzug über das Kundgebungsgelände, Ehepaar Bauers "Traum von einer idealen Gesellschaft", die Lesung des Schriftstellers Tijan Silja über seine eigenen Fluchterfahrungen, Kinderprogramm, zwei Luftballonaktionen für Kinder und Erwachsene sowie einige Musikeinlagen seitens des Posaunenchors, eines gemischten Projektchors: Marc Bohnacker und Erik Klappenecker sangen zur Gitarre.

Beim unerwartet umfangreichen Bring-and-Share-Buffet mit schwäbischen und internationalen Leckerbissen fanden viele gute Gespräche statt, es konnten neue Kontakte geknüpft und alte vertieft werden. In Waldbach und Adolzfurt wohnende Flüchtlinge bewirteten mit arabischem Kaffee und pakistanischem Chai, die Deutsch-Türkische Gemeinde Öhringen steuerte Tee und Börek bei. Die Anzahl der Besucher wurde polizeilich auf 300 geschätzt, die Veranstalter gehen jedoch von einer etwas höheren Anzahl aus, da während der dreieinhalb Stunden des Festes ein Kommen und Gehen herrschte.

In den Redebeiträgen wurde der Bezug zur AfD zwar hergestellt, Beleidigungen oder aggressive Töne waren jedoch nicht zu hören. Die Botschaft, die auch auf vielen selbst gemalten Transparenten zu lesen war: kein Hass, sondern friedliches Miteinander. Die Atmosphäre war insgesamt sehr fröhlich - wenn auch die besprochenen Themen nachdenklich, traurig oder wütend machen konnten. Und die kabarettistischen Beiträge von Tilman Lucke ließen einem manchmal trotz flotter Rhythmen und spaßiger Darbietung angesichts des Inhalts das Lächeln einfrieren.

Eine direkte Konfrontation mit den AfD-Anhängern oder -Politikern war nicht beabsichtigt. In Sichtweite der Halle (auch auf angrenzendem Privatgelände) setzten Transparente ein Signal, und manche musikalischen Beiträge wie die Trommelgruppe und der Bläserchor verschafften sich Gehör. Manche Besucher der AfD-Veranstaltung durchquerten das Straßenfestgelände; auch dies verlief ohne Aggressivität.

Die aufgestellten Spendenschweine bekamen dicke Bäuche: Fast 1000 € kamen da zusammen! Was eigentlich überwiegend für die Kostendeckung u.a. der bereitgestellten Getränke gedacht war, kann nun auch privat ausgelegte Ausgaben der Organisatoren und Helfer ersetzen.

Ein herzliches Dankeschön sagen wir allen, die mit großer Einsatzfreude mitgewirkt und mitgefeiert haben. Es war toll zu sehen, dass man mit einer Initiative für Menschlichkeit und gegen Populismus in so kurzer Zeit so viele Mitstreiter gewinnen kann. Das macht Hoffnung für unsere Zukunft! Die Wiederholung eines solchen Festes wäre wünschenswert - möglichst ohne AfD in der Halle...

Bilder von Fest finden Sie hier