Waldbach wird Evangelisch....

Der erste Kirchbau dürfte eine Holzkirche gewesen sein, die zur Zeit Karl des Großen, im 9. Jahrhundert, errichtet wurde. Ihr folgte eine kleine romanische Kirche. Von beiden Vorgängern der heutigen Kirche zeugen Überreste, die bei der Renovierung 1960/1961 zu Tage kamen und etwas Licht auf die Anfänge der Pfarrei warfen. Schriftliche Urkunden und Überlieferungen aus den Anfängen sind nicht vorhanden.

Die Stiftung ist dennoch für die Jahre nach 742 zu vermuten. Zu dieser Zeit gründete der Angelsachse Bonifatius das Bistum Würzburg, zu dem auch Waldbach gehörte. In Erinnerung an das Wirken und den Märtyerertod des irischen Mönchs Kilian, der im Würzburger Raum deas Evangelium verkündete, wurden viele "Häuser Gottes" dem Patronen Kilian geweiht, so auch die Waldbacher Kirche. Neben dem heiligen Kilian ist sie allerdings noch dem heiligen Nikolaus geweiht und besitzt somit ein Doppelpatrozinium.

bewegte Geschichte

Mitte des 11. Jahrhundert, zur Zeit der Kreuzzüge, Rittertum und Reformen, wurde Nikolaus besonders verehrt. Viele Legenden rankten sich um den Heiligen Bischof von Myra und verschafften ihm auf diese Weise viele Sonderpatronate, wie beispielsweise das des Beschützers der von Unrecht Verfolgten.

Da Waldbach ab 1362 zum Kloster Lichtenstern gehörte, ist es wohl den Zisterzienserinnen zu verdanken. dass für den Ort der Heilige Nikolaus als als Kirchenpatron gewählt wurde. Einen Wechsel gab es allerdings nicht. Waldbach nahm Nikolaus als zweiten Patronen hinzu, hielt aber am Namen des Heiligen Kilians fest.

1363 wiederum schenkt Engelhard von Maienfels den Waldbacher Kirchenschatz dem Kloster Lichtenstern und bittet das Domkapitel Würzburg um Eingliederung in das Zisterzienserinnenkloster. Die Äbtissin besaß fortan das Recht den Waldbacher Pfarrer einzusetzen. Der Ort allerdings musste noch häufiger den Herren wechseln.

1375 verpfändete ihn ebenfalls Engelhard von Maienfels nach dem Urteil des kaiserlichen Gerichtshofes in Prag an Engelhard von Weinsberg. Die Oberherrschaft erhält das Haus Habsburg. Am 12. August 1387 werden die landesherrlichen Rechte gegen den Ort Gerabronn an Hohenlohe vertauscht

Früh machte sich der Einfluss der Zisterzienserinnen auf die Ausstattung der Kirche bemerkbar. Heute ist dies noch an den Fresken im Chor zu erkennen. Während 1360 aus Gründen der Bescheidenheit die Wände noch mit einfachen Quaderungen bemalt wurden, begann man 40 Jahre später mit der Ausmalung des Chorbogens. Als Motiv lassen sich Kilian und Nikolaus in Bischofsgewändern erkennen. Dank der mehrfachen Übermalung sind jene gotischen Malereien noch heute sehr gut erhalten.

Da das mittelalterliche Volk nicht lesen konnte, fertigte man Ausmalerungen in den Kirchen an, Ängste und Sorgen der Bevölkerung wie die des plötzlichen Todes wurden ebenso aufgegriffen, wie die Verkündigung des Wort Gottes. Der damalige gotische Hochaltar befand sich ganz vorne an der Nordwand des Chores. Er war mit künstlerisch wertvollen Schnitzwerken ausgestattet. Drei dieser Figuren befanden sich bis 1900 auf dem Speicher der Kirche. Als "alt und wertlos" befunden, wurden sie für 9.80 Mark verkauft. Für 550 Jahre alte Figuren ein recht geringer Preis, wenn man sich vor Augen führte, dass für dieselbe Summe 50 Liter Milch oder 6.5 Kilogramm Fleisch gekauft werden konnten.

Auf dem Weg zur Reformation

Im Jahr 1504 brach der pfälzisch-bayrische Erbfolgekrieg aus. Herzog Ulrich von Württemberg eroberte die Ämter Weinsberg, Neuenstadt und Möckmühl. Pfalzgraf Phillip wurde die Reichsacht erklärt, die unter Ulrichs Beteiligung vollstreckt wurde. Auch nach dem Friedensschluss blieben die Eroberungen in seinem Besitz, Waldbach gehört seit dem zu Württemberg.

Leider war Ulrich kein vorausschauender Herrscher. Im Januar 1519 eroberte er aus nichtigem Anlass die Stadt Reutlingen, die dem Hause Habsburg unterstand. Bei der Rückeroberung wurde Ulrich geschlagen, seine Vertreibung veranlasst und in der Zeit von 1520-1534 eine österreichische Zwischenregierung eingerichtet. Der Bauernkrieg hinterlies Spuren, aus Richtung Öhringen anrückend, plünderten im Jahre 1525 der "Helle Haufen" Waldbach. Im selben Jahr, am blutigen Ostern, der Eroberung Weinsberg waren die Bürger des Ortes stark beteiligt. Allen voran der Bauernführer Ulrich Metzger, der im südlichen Ortsteil sein Anwesen gehabt haben soll. Aber auch Urban Mötzler, der dreizehn Adlige und den Grafen Helfenstein in eine schmale Gasse führte, in der diese Spiessruten laufen mussten und dabei ihr Leben liessen.

Die Vergeltung des Truchsess Jörg von Waldenburg, auch Bauernjörg genannt, Feldherr des schwäbischen Bundes, kam prompt und brutal. Blutig wurde der Aufstand, der seine Gründe in den erdrückenden Lasten der Bauern und einem Missverständnis der Predigten Luthers hatte, niedergeschlagen.

Sieben Waldbacher und Rappacher bezahlten mit Ihrem Leben oder kamen in Verbannung. Ihr Hab und Gut wurde eingezogen.

1534, in der Schlacht bei Lauffen, gewann Herzog Ulrich sein Land wieder und begann sofort mit der Reformation Württembergs. Die Äbtissin von Lichtenstern verlohr das Recht, Priester einzusetzen, nachdem sie zuvor "halsstarrig" weigerte, den Erlass Ulrichs, nur noch evangelische Pfarrer einzusetzen. Vielmehr liess sie noch alte Prister ins Kloster, um heimlich die heilige Messe zu lesen. Herzog Ulrich sah sich am 27. Dezember 1547 gezwungen, per Reformationsordnung Priestern und Mönchen den Zutritt zu Klöstern zu verbieten und die evangelische Predigt anzuordnen. Johann Geyling aus Ilsfeld, der vom Reformator Schnepf beauftragt worden war, den Zisterenserinnen zu predigen, blieb erfolglos. Geyling wurde seines Auftrags entbunden, welcher an den Pfarrer Johann Walz, erster evangelischer Pfarrer von Waldbach übertragen wurde.

Timo Schumacher