Vom Interim zum Neubau der Kirche

Wir schreiben das Jahr 1547..Pfarrer Johann Walz wurde erster evangelischer Pfarrer von Waldbach

Im selben Jahr versuchte Kaiser Karl V. durch das Interim die Reformation wieder rückgängig zu machen. Evangelische Pfarrer, die die Lehre Luthers predigten, wurden zu hunderten vertrieben. Durch das Land zogen spanische Söldner. Am Ort stahlen sie einen wertvollen Abendmahlskelch, woraufhin Waldbach vom Kloster Lichtenstern eine Nürnberger Arbeit um 1500 zugesprochen bekam. Noch heute ist dieser Kelch aus vergoldetem Silber im Dienst.

Der Baumeister Friedrich Fischlin aus Stuttgart nahm sich 1616 dem Neubau der Waldbacher Kilianskirche an. Die gotische Kirche wurde, mit Ausnahme von Chor und Turm, bis auf die Grundmauern abgerissen und im damaligen Stile der Renaissance wieder aufgebaut. Schon damals halfen alle Gemeindemitglieder eifrig am Wiederaufbau ihrer Kilianskirche mit.

Man orientierte sich an der damals üblichen Bauform, der offenen Saalkirche ohne Säulen. Die Fenster wurden nicht mit buntem Glas besetzt, stattdessen mit prächtigen Ornamenten umrahmt. Die eingebaute untere Empore war von außen über einen achteckigen Treppenturm erreichbar, der während der Renovierung 1960/61 abgebrochen wurde. Da die Verkündigung des Wort Gottes nun das zentrale Element des evangelischen Gottesdienstes einnahm, platzierte man eine gut einsehbare Kanzel in Mitten der Gemeinde. Der Brettacher Bildhauer Jakob Vockh fertigte sie an. Am Kanzelkorb sind die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes angebracht. In Händen halten sie ein Buch, das Lehre und Wort der Bibel verkörpert. Reich verziert ist auch der Kanzeldeckel. Ihn schmücken fünf Engelsfiguren, welche die Marterwerkzeuge Jesu in Händen halten:

einen Schwamm auf einen Stab gesteckt,

"Und sogleich lief einer von ihnen, nahm einen Schwamm und füllte ihn mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken." (Matthäus 27,28)

eine Lanze,

"sondern einer der Soldaten stieß mit dem Speer in seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus."(Johannes 19,34)

eine Fackel,

"Als nun Judas die Schar der Soldaten mit sich genommen hatte und Knechte von den Hohenpriestern und Pharisäern, kommt er dahin mit Fackeln, Lampen und mit Waffen." (Johannes 18,3)

einen Hammer und Nägel.

"Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte." (Johannes 19,18)

Über dem Altar, der nur noch zu monatlichen Abendmahlsgottesdiensten zentraler Ort des gottesdienstlichen Handels war, ist ein kunstvoll gearbeitetes Holz-Kruzifix aufgehängt. Viele goldene Elemente erinnern an Gottes Gegenwart und Majestät.

Altar und Taufstein, die Verkörperung der Sakramente Abendmahl und Taufe, lagen bis 1960/61 auf einer Achse.

"Wir sind durch einen Geist alle zu einem Leibe getauft" (1. Korintim 12,13)

So steht es auf dem eingelassenen Messingbecken geschrieben, das in den achteckig behauenen Taufstein eingelassen ist - Die Zahl acht steht unter anderem für die acht Seelen, die in Noahs Arche die Sintflut überlebt hatten, und somit für die Gesamtheit der geretteten Menschheit. Ebenso hat das Material Stein eine besondere Bedeutung.

"Siehe, ich will dort vor dir stehen auf dem Fels am Horeb. Da sollst du an den Fels schlagen, so wird Wasser herauslaufen, dass das Volk trinke. Und Mose tat so vor den Augen der Ältesten von Israel." 2.Mose 17,6

Mose sicherte so das Überleben seines Volkes. Außer Altar, Kanzel und Taufstein baute man eine erste Empore ein. Kirchgangspflicht seit 1536 und rasch ansteigende Bevölkerungszahlen machten eine Vergrößerung der Sitzgelegenheiten notwendig. Ebenso hegte man den Wunsch, die Gottesdienstbesucher nach Geschlecht zu gliedern. Dies war allerdings nicht der alleinige Grund, denn durch die Empore sollte ebenso ein räumliches Gegenstück zur Kanzel geschaffen werden. Eine Deutung ist, dass die Porkirche anleite "auch die Herzen emporzuheben im Trachten nach dem Himmlischen, Ewigen." An die entstandene Fläche brachte man Bilder von acht alttestamentlichen Szenen und die der vier Evangelisten mit ihren Symbolen an. Auf einem der Bilder lässt sich in einem kleinen Buch die Inschrift "Verbum Dei; Stichlingfecit 1636" erkennen und somit Maler und Entstehungsjahr klären.

"Anno Domini 1618 den 28. Marty ist gegenwärtig dieses Predigtstuckh gemacht worden, welcher Zeit Ich Johannes Wildt den Mösnerdienst allhie hob versehn. Gott alleyn die Ehre."

(Inschrift im Inneren des Kanzeldeckels) Zwei Jahre Bauzeit bedurfte es und die Kilianskirche konnte wieder als Mittelpunkt des Glaubens genutzt werden. Der Renaissance-Kirchenbau verkörpert die Rückkehr zu den Grundwerten der abendländischen Kultur: der Antike.

Leid und Elend im dreißigjährigen Krieg.

1626 - schwedische und kaiserliche Heere durchzogen das Land, verwüsteten ganze Ortschaften, plünderten, hinterließen Angst und großes Leid. Das Waldbacher Pfarrhaus brannte bis auf die Grundmauern nieder, mit ihm wichtige Dokumente, Kirchenbücher und zwei silberne Kelche. Den Höhepunkt des religiös-konfessionell motivierten Krieges bildete 1634 die Schlacht bei Nördlingen. Sechzig fürstenbergische Reiter fielen am 17. Oktober 1635 in Dimbach ein, stahlen 48 Malter Früchte und legten den Ort in Schutt und Asche. Waldbach hatte mit an Pest erkrankten Soldaten zu kämpfen. Man sah sich beinahe ruiniert. Zu allem Übel raffte der Schwarze Tod im selben Jahr die Hälfte der Einwohner Waldbachs, Dimbachs, Rappachs und Scheppachs dahin. Dass sich all diese schlimmen Erlebnisse und Verzweiflung im Glauben der Menschen niederschlägt, lässt das 1636 entstandene Hiobbild von Stichling erkennen.

Ein nackter Mann mit Pestbeulen überzogen, vor einem brennenden Dorf, muss immer neue Hiobsbotschaften empfangen. Ob der Maler zum Annehmen und Ertragen des Leids Vorbild geben wollte,

"Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?" (Hiob 2,1)

oder Hoffnung auf ein Leben und Auferstehen nach den Qualen schöpfen wollte,

"Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der letzte wird er über dem Staub sich erheben." (Hiob 19.25)

oder den verzweifelten Menschen, der an Gott und seiner Liebe zweifelt, zeigen wollte,

"Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren bin, und die Nacht, da man sprach: Ein Knabe kam zur Welt!" (Hiob 3,3)

ist nicht gewiss. Mehrere Generationen hat es jedenfalls gedauert, bis sich das Land und die Menschen von den Verlusten des Krieges erholt hatten.

Erhöhung der Kilianskirche.

1748, also hundert Jahre nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges war die Kilianskirche abermals zu klein und musste um 10 Schuh, das entspricht etwa 3 Metern, erhöht werden. Die von 1712 stammende Orgel bekam eine Orgelempore über dem Triumphbogen im Osten des Langhauses. An ihr sind Bilder der zwölf Apostel angebracht. Ebenso zog man eine zweite Empore ein, deren Brüstung ursprünglich 25 Bilder mit biblischen Szenen schmückte. Der bedeutende Maler Johannes Stigler, der vor allem im nördlichen Württemberg arbeitete, fertigte diese an.

Timo Schumacher