Vom Zerfall des "alten Reichs" bis zur Neuzeit.

Im Frieden von Luneville erzwingt Napoleon eine grundsätzliche Neuordnung des Deutschen Reiches. Unter anderem auch eine Säkularisation des Kirchengutes nach französischem Vorbild. Somit werden 1803 im sogenannten Reichsdeputations-Hauptschluss alle geistlichen Gebiete außer Mainz aufgeteilt. Das Herzogtum Württemberg ist hierbei großer Gewinner, es vervierfacht seine Landesfläche und wird letztlich 1805 unter Friedrich zum Königreich erhoben. Dieser nimmt am 1. Januar 1806 feierlich die Königswürde an. Mit der Gründung des Rheinbundes im Juli desselben Jahres erhielt auch das neue Württemberg das Recht, reichsunmittelbare Fürsten und Grafen ihrer Souveränität zu unterwerfen. Mit dem Verzicht Franz II. auf die Kaiserkrone endete das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Waldbach und Dimbach kamen vom Klosteroberamt Lichtenstern zum Amt Lichtenstern, Kreis Heilbronn. Ein Jahr später wurde Waldbach zum Hauptort der Stabschultheißerei Waldbach, Oberamt Weinsberg, Kreis Heilbronn.

Im Frühjahr 1870 sollte Pfarrer Drück aus Freudental im Ort als neuer Pfarrer aufziehen. Ihm stand allerdings starker Widerstand der Gemeindeglieder entgegen. So erreichte ihn am 12. April ein anonymes Schreiben indem sie dem neuen Pfarrer mitteilen, dass sie mit den beiden "bekehrten Predigern" Eichen-hofer und Isler, die am Ort ansässig waren, zufrieden seien. Zudem seien "die Leute, alle, alle, daran gewöhnt an etwas Lebendiges, denn es will keiner ein toter Mann bleiben; sie wollen ein echtes Christentum." Er solle doch noch mal darüber nachdenken, ob der "Dienst" in Waldbach für ihn der richtige sei. Denn: "Waldbach braucht einen frommen Mann, und wir werden fortbitten, bis wir einen haben."

Zwei Tage später wandte sich der Pfarrer an den Dorfschultheißen. Er bittet darum Bevölkerung und Kirchenälteste zu befragen, ob die "behauptete Abgeneigtheit der dortigen Gemeinde" tatsächlich bestehe. Denn er bliebe auch lieber bei seiner jetzigen Gemeinde und so wolle er "Seine Majestät und König" anflehen, "daß er mich auf meiner bisherigen Pfarrei belassen möge." Man wolle "kurz und deutsch reden". Am 18. April antwortete der Ortsvorsteher, dass es sich nur um eine "Intrige" einzelner gehandelt habe und man ihm versichere, er sei gerne erwartet. Zum 10. Mai schließlich zieht Pfarrer Drück in Waldbach auf.

Eine gründliche Renovierung der Kilianskirche erfolgte 1889. Der Kunstmaler Menrad aus Neckarsulm wurde mit den Arbeiten betraut. Das barocke Deckenbild befand man als "alt und hässlich" und übermalte es mit einem damals üblichen Himmelfahrtsbild. Sechs Jahre später baute man zwei Ofen ein und machte die Kirche so erstmals heizbar. Die Einweihung erfolgte am 29. September 1897.

Ein etwas besseres Licht als siebzig Jahre zuvor wirft die Oberamtsbeschreibung von 1861 auf die Waldbacher Einwohner: "Die Einwohner sind im allgemeinen gesunde, wohlgebaute Leute, bei welchen keine Spuren von Kretinismus vorkommt wie in anderen Teilen des Bezirks. Sie haben schon den hohenlohischen Typus als Angrenzer und sind im Ganzen ein guter Menschenschlag. Man findet wohl viel Liebe zum Weingenuß, aber auch viel Berufsfleiß."

Neuer Glanz in der Gegenwart.

1973 wurden Waldach und Dimbach, die seit 1926 dem Oberamt Öhringen zugehörten, in den Hohenlohekreis eingegliedert. Da sich im Lauf der Jahre das Grundwasser absenkte, bildeten sich starke Risse an den Wänden des Kirchenschiffes, die 1995 bei einer umfassenden Außenrenovierung behoben wurden. Kaum waren die Schulden abbezahlt, wurde überlegt, wie man gemeinsam eine notwendig gewordene Innenrenovierung schultern könne.

Timo Schumacher