Dr. Peter Lucke referierte über den Waldbacher Hexenprozess von 1670

War Magd Maria eine Hexe?

Text übernommen mit freundlicher Genehmigung aus der Hohenloher Zeitung vom 4.2.2013

Man schreibt den 19. Oktober 1670. Die Dunkelheit ist längst übers Dorf hereingebrochen, als der Waldbacher Nachtwächter auf seinem Gang durch die Gassen "ein Weibsbild gänzlich bloßen Leibes" entdeckt. Ihr Rücken ist schwarz gefärbt, sie scheint "geradewegs der Hölle enstiegen zu sein" und sie gebärdet sich fremdartig, "als ob der Satan in ihr wohnte". Es ist die Magd Maria Röhlin, die da im Küchengärtlein ihres Dienstherren, Metzgermeister Kurz, entdeckt wird.

Das ungewöhnliche Geschehnis jener Nacht war Thema eines Vortrags von Peter Lucke jüngst in der sehr gut besuchten Waldbacher Pfarrscheuer. Der pensionierte Gymnasiallehrer recherchiert derzeit gemeinsam mit anderen Geschichtsfreunden die Historie des Ortes für eine Chronik. Bei seiner Recherche im Landesarchiv Baden-Württemberg stieß Lcke dabei auch auf den Hexenprozess von Waldbach. Bald 100 Stunden las er sich durch seitenlange, ausführliche Protokolle, in denen "altertümlich, dialektgefärbt oder frauenfeindlich" über die Magd Maria und den Prozess, den man ihr machte, berichtet wird.

Denunziert Es ist der Fall einer Frau, die als Hexe denunziert wird, weil die Menschen ihrer Zeit dem Aberglauben erliegen. Die Tatsache, dass man sie nächtens verwirrt und unter unerklärlichen Umständen auffand und dass sie aussah, wie man sich eine Hexe damals eben so vorstellte - dürr, klein und grauhaarig war die gut 50-jährige Frau - reichte dafür aus, sie rund zwei Monate nach dem Vorfall anzuklagen. Warum aber war die Magd ins Gärtlein gesprungen? Maria selbst sprach von einem Anfall, der "aus der Blödigkeit des Kopfes" heraus geschehen sei. Den Inquisitoren genügte das als Erklärung allerdings nicht. Aber weder unter Gewaltandrohung, noch unter Folter, noch mit Güte - ein Priester nahm sie damals ins Gebet - gestand Maria ein, eine Hexe zu sein.

Eingesperrt Auch Aufenthalte im Waldbacher "Zucht- und Narrenhäuschen" und im Weinsberger Frauengefängnis, in das man sie 56 Tage einsperrte, pressten kein Geständnis aus ihr. Schließlich wurde der Hexenprozess ergebnislos abgebrochen. Die erbarmungswürdige Frau entließ man auf freien Fuß, denn immerhin hatte sie auch keinen Schaden verursacht.

Hexenglaube herrschte zu dieser Zeit, so wusste Lcke zu berichten, nicht nur beim einfachen Volk-, sondern auch beim gebildeten Bürger: Selbst Pfarrer, Vögte und Ministerialbeamte haben bei diesen grausamen Spielen mitgespielt. Und auch Martin Luther, ein Kind dieser Zeit, war davor nicht gefeit, wie die Überlieferung einer seiner Predigten aus dem Jahr 1526 zeigt. In ihr sagte er: "Zauberinnen sollen getötet werden auch weil sie Umgang mit dem Satan haben."

Das heraufdämmernde Zeitalter der Aufklärung machte der Hexenverfolgung dann jedoch endlich Ąden Garaus", berichtete der Referent. Was aber war nun wirklich los mit der Waldbacher Magd Maria? Lucke erzählte, dass in den Protokollen die Rede davon sei, dass Maria an "Fallsucht" litt. Diese sei eine Krankheit gewesen, die im Mittelalter "dämonisiert wurde" - wohl auch, weil sie von wiederkehrenden Anfällen mit Schreien geprägt war. "Die arme Frau war Epileptikerin", ist Lucke heute überzeugt.

Hintergrund Chronik wird erstellt Mehr Informationen zur Magd Maria, dem Hexenprozess von Waldbach und zur weiteren Geschichte des Ortes kann man in derneuenWaldbacherChroniknachlesen. Diese wird zur Zeit von knapp einem Dutzend geschichtsinteressierten Bürgern geschrieben. Veröffentlicht wird die Chronik im März des kommenden Jahres. Dann nämlich wird Waldbach sein 750-jähriges Bestehen feiern.

gg