Konzert des Kirchenchors zum Auftakt des Sommerfestes am Samstag, den 16. Juli 2016


Ein wunderschöner Sommerabend, so heiter und gelöst, wie es nur im Hochsommer sein kann. "Fahren wir froh im Nachen, Erde und Himmel lachen", mit diesem Lied von Gastoldi wird der Chor sein Konzert in der Kilianskirche beginnen. Zuvor aber trifft man sich vor der Kirche zu Sekt und Getränken und redet miteinander. Manchmal ist ein Programm, das sich erst allmählich und geradezu zufällig ergibt, fast das Beste und Passendere: außer zwei Abendliedern zum Schluss keine Choräle, kein geistliches Werk. Der Kirchenchor kann auch anders - und zwar mit Lust. Lauter Volkslieder, Sommer- und Frühlingslieder von Goethes Nachtigall bis zu Kuckuck und Esel, zum Kuckuck auf dem Baum und seiner glücklichen Auferstehung als ein Jahr vergangen war, zum feinen Liebchen mit seinen roten Wängelein, röter als der Wein. Volkslieder spiegeln das Leben, sie gehen nicht immer gut aus: zum Schneegebirge fließt ein Brünnlein kalt, ein ewiger Jungbrunnen für den, der daraus trinkt, aber der Herzallerliebste verspricht viel beim Abschied und kehrt doch selbst nicht wieder.

Marc Bohnacker hat diese Liedsätze liebevoll und gründlich einstudiert, wie es seine Art ist, interpretiert im besten Sinn. Dass er einen klangvollen Chor dirigieren konnte, verdanken wir der wunderbaren Kooperation mit dem Bitzfelder Kirchenchor und seiner Leiterin Irmgard Wolfmeyer. Diese Zusammenarbeit hat schon Tradition und muss unbedingt fortgesetzt werden, darin sind sich alle einig, z.B. beim nächsten Bezirkschorfest im Herbst.

Vielleicht wäre dieser Abend nicht ganz so abgerundet gewesen ohne das andere Element des Programms, Instrumentalmusik, gespielt vom Waldbach-Trio, Geige, Bratsche und Violoncello. Gerold Rieker, Sibylle Wahl und Friedhelm Vöhringer. Wir spielten eine Auswahl aus den dreißig "Goldberg-Variationen" von Johann Sebastian Bach. Sie sind von Bach unter dem Titel "Aria mit verschiedenen Veränderungen vors Clavicimbel mit zwei Manualen" herausgegeben. Das Werk ist einzigartig und hochbedeutend, auch in der Bearbeitung für Steichtrio. Je länger wir geübt haben, umso mehr hat es uns Spaß gemacht und vielleicht konnten wir etwas von dieser Musizierlust weitergeben an diesem Abend, unterstützt von der guten Akustik unsere Kirche.

Das ganze Sommerfest stand im Zeichen von "400 Jahre Kirchenschiff" der Kilianskirche. Es war beeindruckend, wie es Frau Schautt gelungen ist, den Geist dieser Kirche lebendig werden zu lassen, diesen Widerspruch gegen die Oberflächlichkeit und den Materialismus, die zu jeder Zeit der Hauptfeind des Lebens sind. Jede Kirche, in der sich eine Gemeinde versammelt, ist ein Versprechen. An diesem Abend und durch das ganze Sommerfest wurde etwas von diesem Versprechen eingelöst.


Gerold Rieker